Begrüßungsrede CSD Bielefeld 2015

Peter Struck 1. Vorsitzender des Netzwerks lesbischer und schwuler Gruppen in Bielefeld e.V.

 

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Ich möchte euch alle im Namen des Netzwerks lesbischer und schwuler Gruppen in Bielefeld zu unserem diesjährigen CSD begrüßen.


Wir sind der Zucker im
Pudding – Queer in OWL


Aber nicht für alle sind Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans*, Inter* und Poly* der Zucker im Pudding. Für mache sind wir immer noch das Haar in der Suppe oder die Laus im Pelz.


Homo- und Transphobie gibt es nach wie vor.

 

+ In einer Volksabstimmung hat eine große Mehrheit der Iren und Irinnen für die vollständige rechtliche Gleichstellung von Lesben und Schwulen gestimmt. Der Vatikan hat diese demokratische Entscheidung als „Niederlage für die Menschheit“ kritisiert.

+ In Deutschland blockieren CDU und CSU die vollständige rechtliche Gleichstellung. Die Ehe und das Adoptionsrecht werden Lesben und Schwulen immer noch verwehrt. Wir fordern CDU und CSU auf, ihre Blockade endlich zu beenden. Die Gleichstellung von Lesben, Schwulen und Transgender ist ein Menschen- und Bürgerrecht.

Auch in Bielefeld wird um Gleichstellung und Akzeptanz gestritten

 

+ Ein Bielefelder Anzeigenblatt vertrat vor kurzem in seiner Beratungskolumne die Ansicht, dass es zwei 6- und 8-jährige Mädchen verwirrt, wenn sie bei der Verpartnerung ihres Onkels Blumen streuen. Das löste einen Shitstorm und einen Gegenshitstorm aus. Kann es Kindern wirklich schaden, frühzeitig zu lernen, sexuelle und geschlechtliche Vielfalt als Selbstverständlichkeit zu akzeptieren? Wohl kaum!

Unser Kampf gegen Vorurteile, Ignoranz und Berührungsängste ist noch lange nicht zu Ende. Wir bleiben der Stachel im Fleisch der Heteronormativität.

Denn es lohnt sich. Wir haben - gemeinsam mit vielen Verbündeten - in den letzten Jahren viel erreicht:

 

+ Mittlerweile sind eine große Mehrheit der Deutschen für die Öffnung der Ehe. Die Mehrheit hält Lesben und Schwule für genauso geeignet, Kinder zu erziehen, wie Heterosexuelle.

 

+ Auch in Bielefeld tut sich was: Die Paprikakoalition aus SPD, Grünen, Bürgernähe und Piraten hat einen Zukunftspakt für Bielefeld beschlossen. Dort steht unter der Überschrift Gleichstellung: Alle Bielefelderinnen und Bielefelder sollen unabhängig von ihrer Herkunft, ihrem Geschlecht und ihrer sexuellen Orientierung gleichberechtigt und selbstbestimmt leben. Die Koalition verurteilt  Diskriminierung und steht für gelebte Vielfalt.

 

Jetzt müssen wir alle dafür sorgen, dass diesen großen Worten auch große Taten folgen.

·      Wir brauchen dringend einen neuen kommunalen Aktionsplan zur Gleichstellung, der unsere Belange besser berücksichtigt.

·      Wir brauchen eine langfriste Förderung der Aufklärung über sexuelle und geschlechtliche Vielfalt in der Schule und in der Jugendarbeit.

·      Wir brauchen einen Ausbau der Beratungsangebote für Lesben, Schwule und Transgender im Coming-out. 
 

·      Wir müssen dafür sorgen, dass Lesben, Schwule und Transgender auch bei Pflegebedürftigkeit offen und ohne Diskriminierung im Alter leben können. Dazu ist es notwendig, ihre Bedarfe im Altenhilfeplan der Stadt angemessen zu berücksichtigten.
 

·      Wir brauchen eine kommunale Koordinierungsstelle, die diesen Aktionsplan gemeinsam mit uns effektiv umgesetzt und langfristig weiterentwickelt. Die Betonung liegt auf langfristig. Denn die Förderung von Gleichstellung und Akzeptanz ist ein umfassendes und langfristiges Projekt.

 

Ich wünsche uns allen einen aufregenden und kraftvollen Christopher Street Day und natürlich viel Spaß.

 

Wir sind der Zucker im Pudding und das Salz in der Suppe.