Leben ohne Maske - Forderungen - selbstverständlich lesbisch oder schwul
Offen und selbstbewusst lebende Lesben und Schwule sind im öffentlichen Leben präsenter denn je. Aus Talkshows und Soaps sind sie nicht mehr wegzudenken. Homosexualität ist offensichtlich auch kein Hindernis für die politische Karriere. Der amtierende Außenminister, der regierende Bürgermeister von Berlin und der Oberbürgermeister der Stadt Bielefeld leben offen schwul.
Das Allgemeine Gleichstellungsgesetz schützt ausdrücklich auch vor Diskriminierung aufgrund der sexuellen Identität. Das Lebenspartnerschaftsgesetz stellt lesbische und schwule Lebenspartnerschaften in weiten Bereichen mit der Ehe gleich – aber nicht in allen.
Doch trotz aller Liberalisierung sind Lesben und Schwule nach wie vor von Diskriminierung betroffen. Eine Studie des Sinus-Instituts zur Wahrnehmung von Diskriminierung und Antidiskriminierung stellt beispielsweise fest, dass in vielen Milieus tief verwurzelte Vorurteile – bis hin zu Ekel- und Hassgefühlen – gegenüber sexuellen Orientierungen bestehen, die vom Mainstream abweichen.
Ernüchternd wirkt auch, dass in der Mitte der Gesellschaft mehrheitlich oft nur Lippenbekenntnisse zur Akzeptanz abgegeben werden und deutliche Ausgrenzungsimpulse zu finden sind.
Die Pluralisierung von Lebensstilen sollte deshalb den Blick auf eine ungebrochenen Dominanz heterosexueller Lebensformen nicht verstellen. Dabei sind es nicht nur direkte Erfahrungen von Missachtung und Gewalt, die sich auf das Selbstbewusstsein von Lesben und Schwulen auswirken. Ebenso folgenreich erweist sich die Nicht-Existenz lesbischer Frauen und schwuler Männer in öffentlichen Räumen bei gleichzeitiger Allgegenwart von heterosexueller Identität, heterosexuellen Beziehungen und Lebenskonzepten. Heterosexualität wird grundsätzlich unterstellt und ist eine alles Leben durchdringende Norm. Lesben und Schwule haben früh gelernt, mit potentieller Diskriminierung umzugehen und sich selbst zu kontrollieren. Sie entscheiden meist instinktiv, in welcher Situation sie sich gefahrlos als Lesbe oder Schwuler offenbaren und wo sie es lieber verheimlichen. Von der ungetrübten Selbstverständlichkeit, mit der heterosexuelle Menschen ihre sexuelle und soziale Identität im Alltag offenbaren, sind sie weit entfernt. So verbergen 60 % der Lesben und Schwulen ihre Homosexualität am Arbeitsplatz. Etwa genau so viele haben dort Diskriminierung erlebt.
Ein selbstbewusstes lesbisches und schwules Leben ist ohne besondere Anstrengung, ohne Kämpfe und Verunsicherungen nicht zu führen. Lesbisches und schwules Leben wird von den Einzelnen gewissermaßen individuell erst zu einem wirklich lebbaren Leben gemacht.
Wir kämpfen für ein Leben ohne Maske, für eine Gesellschaft, in der es selbstverständlich ist, lesbisch und schwul zu leben – und zwar überall!

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